Das Malbuch, das Künstler seit 90 Jahren inspiriert: Sanzo Wadas Dictionary of Color Combinations
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Es gibt Bücher, die man kauft, durchblättert und weglegt. Und es gibt Bücher, die man immer wieder zur Hand nimmt – bei jedem neuen Projekt, jeder neuen Serie, jedes Mal, wenn man vor einer leeren Leinwand steht und nicht weiß, wohin die Reise gehen soll. A Dictionary of Color Combinations von Sanzo Wada ist so ein Buch.
Es wurde erstmals 1933 in Japan veröffentlicht. Mehr als neunzig Jahre später ist es noch immer im Druck, noch immer auf dem Schreibtisch von Designern, Illustratoren und Künstlern auf der ganzen Welt. Das ist kein Zufall. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum – und wie du es selbst nutzen kannst.
Wer war Sanzo Wada?
Sanzo Wada (1883–1967) war ein japanischer Künstler, Kostümdesigner und Farbtheoretiker. Er arbeitete in einer Zeit, in der Japan sich rasend schnell modernisierte. Westliche Einflüsse strömten ins Land, doch die traditionelle japanische Ästhetik blieb tief im Alltag verwurzelt.
Wada bewegte sich in beiden Welten. Er studierte westliche Malerei, aber sein Farbgefühl war durchdrungen von japanischen Traditionen: die gedämpften Töne von Kimono-Stoffen, die subtilen Abstufungen in Holzschnitten, die Harmonie von Natur und Material. Seine Arbeit als Kostümdesigner für Theater und Film schärfte seinen Blick dafür, wie Farben nebeneinander funktionieren – nicht isoliert, sondern in Beziehung zueinander.
Das Ergebnis jahrelanger Beobachtung und Studie war A Dictionary of Color Combinations, ein Katalog mit 348 Farbkombinationen aus mehr als 6.000 einzelnen Farbmustern.

Was macht dieses Buch besonders?
Es gibt viele Bücher zur Farbtheorie. Johannes Itten schrieb über Farbkontraste. Albert Munsell entwickelte ein wissenschaftliches Farbmodell. Josef Albers untersuchte, wie Farben sich gegenseitig beeinflussen. Alles wichtig – aber Wada machte etwas anderes.
Während andere Theoretiker Regeln aufstellten, stellte Wada Kombinationen zusammen. Keine Formeln, keine Farbräder mit Pfeilen. Einfach: Das funktioniert. Schau selbst.
Jede Seite zeigt eine Auswahl von 2 bis 6 Farben, sorgfältig nebeneinandergestellt. Keine Erklärung, warum sie funktionieren – das siehst du selbst. Die Paletten sind benannt (oft nach Naturphänomenen oder Materialien) und nummeriert, aber ansonsten spricht das Buch für sich.
Was das Buch enthält:
- 348 Farbkombinationen
- Aufgebaut aus 6.448 einzelnen Farbmustern
- Kombinationen von 2 bis 6 Farben pro Palette
- Basierend auf japanischer und westlicher Farbtradition
- Ursprünglich 1933 veröffentlicht, 2010 neu aufgelegt von Seigensha Art Publishing
Die Theorie hinter den Paletten
Wada arbeitete nach einigen Grundprinzipien, die man auch in seinen Paletten wiederfindet:
1. Harmonie über Kontrast
Die meisten Paletten im Buch sind harmonisch. Sie teilen einen Unterton, eine Temperatur, eine Stimmung. Das macht sie direkt anwendbar, ohne dass sie aufdringlich wirken. Selbst Kombinationen mit einem starken Akzent fühlen sich nie aggressiv an.
2. Gedämpfte Farben als Basis
Wada mied gesättigte Primärfarben. Sein Rot ist eher Terrakotta. Sein Blau neigt zu Schiefer. Sein Gelb ist Ockergold. Das verleiht den Paletten eine zeitlose, organische Qualität – sie altern nicht.
3. Verhältnis und Gewicht
In jeder Palette gibt es eine dominante Farbe, eine unterstützende Farbe und oft einen Akzent. Dieses Verhältnis ist selten gleich – und genau das macht es so wirkungsvoll. Ein Akzent von 10 % wirkt stärker als einer von 33 %.
4. Natur als Referenz
Viele Paletten sind von Jahreszeiten, Materialien und Landschaften inspiriert. Moos, Schiefer, Reisfelder, Herbstblätter. Wada schaute sich die Welt um ihn herum an und übersetzte sie in Farbe.
„Farbe existiert nicht allein. Sie existiert immer in Beziehung – zum Licht, zum Material, zur Farbe daneben. Wada hat das besser verstanden als fast jeder andere."

Einfluss und Erbe
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Buch weitgehend in Vergessenheit. Erst 2010 wurde es von Seigensha Art Publishing neu aufgelegt – und schlug wie eine Bombe ein. In der Design- und Illustrationsszene wurde es schnell zum Must-have.
Der Einfluss ist weitreichend:
- Grafikdesign: Agenturen nutzen Wadas Paletten als Ausgangspunkt für Markenidentitäten, besonders für Marken mit organischer, warmer oder japanischer Ästhetik.
- Mode: Kostümdesigner und Modehäuser, vor allem im japanischen und skandinavischen Bereich, beziehen sich auf das Buch für Saisonpaletten.
- Illustration: Eine ganze Generation digitaler Illustratoren (besonders auf Plattformen wie Procreate und Behance) arbeitet explizit mit Wada-Paletten.
- Interieur: Stylisten nutzen das Buch, um Farbkombinationen für Räume zusammenzustellen – von Farbe über Textilien bis hin zu Kunst an der Wand.
- Bildende Kunst: Maler verwenden es als Kompass beim Aufbau einer kohärenten Serie oder bei der Wahl einer begrenzten Palette.
Wie nutzt du es beim Kunstmachen?
Hier wird's praktisch. Das Buch ist kein Dekorationsstück – es ist ein Arbeitswerkzeug. Hier sind konkrete Möglichkeiten, es einzusetzen:
Eine Serie rund um eine Palette aufbauen
Wähle eine Kombination aus dem Buch und nutze sie als Leitfaden für eine Werkreihe. Nicht jedes Werk muss alle Farben enthalten, aber sie teilen dieselbe Sprache. Das gibt einer Serie Kohärenz, ohne dass jedes Werk identisch ist.
Beispiel: Palette #214 kombiniert ein warmes Gebrochenes Weiß, ein tiefes Moosgrün und einen Terrakotta-Akzent. Nutze das Moosgrün als dominante Farbe in Werk 1, das Gebrochene Weiß in Werk 2 und das Terrakotta in Werk 3. Drei verschiedene Werke, eine erkennbare Familie.
Farbverhältnisse bewusst einsetzen
Wadas Paletten suggerieren implizit ein Verhältnis. Schau dir an, wie die Muster angeordnet sind. Der breite Streifen ist deine Dominante (60–70 %), der schmalere deine Unterstützende (20–30 %), das kleine Feld dein Akzent (5–10 %). Übertrage dieses Verhältnis direkt auf deine Leinwand.
Einschränkung als Freiheit
Eine der größten Fallen für Künstler ist zu viel Farbauswahl. Wenn du dich auf eine Wada-Palette von 3 bis 4 Farben beschränkst, zwingst du dich, mit Wert, Textur und Komposition zu arbeiten – statt Farbe als Fluchtweg zu nutzen.
Aus der Palette mischen
Nutze die Farben im Buch als Zielfarbe, nicht als exakte Mischung. Suche die nächstliegenden Pigmente in deinem Farbkasten und mische in Richtung der Palette. Es muss nicht exakt sein – es geht um die Stimmung und die Beziehung der Farben zueinander.
Praktische Übung:
Schlage das Buch zufällig auf. Nutze die Palette auf dieser Seite für dein nächstes Werk – ohne Ausnahmen. Sieh es als kreative Einschränkung, die dich zwingt, Komposition, Licht und Form neu zu denken.

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Wie nutzt du es in deinem Interieur?
Kunst an der Wand ist immer eine Farbentscheidung – auch wenn man nicht bewusst darüber nachdenkt. Wadas Paletten können helfen, diese Entscheidung bewusster zu treffen.
Kunst nach Farbharmonie auswählen
Schau dir die dominanten Farben in deinem Raum an (Boden, Wände, Textilien) und suche im Buch eine Palette, die diese Farben enthält oder ergänzt. Wähle dann Kunst, die in diese Palette passt. Das Ergebnis ist ein Raum, der sich wie ein Ganzes anfühlt – ohne dass alles matcht.
Akzent durch Kunst
Wenn dein Raum neutral ist (Gebrochenes Weiß, Beige, Grau), nutze Kunst als Akzent in einer Wada-Palette. Ein Werk mit tiefem Blaugrün oder warmem Terrakotta gibt dem Raum genau die richtige Menge Farbe, ohne zu dominieren.
Mehrere Werke kombinieren
Möchtest du eine Galeriewand zusammenstellen? Nutze eine Wada-Palette als Bindemittel. Die Werke müssen nicht denselben Stil haben. Wenn sie dieselbe Farbfamilie teilen, wirken sie zusammen.
Tipp: Fotografiere deinen Raum und nutze eine Farbpipette (in Photoshop, Procreate oder sogar auf deinem Handy), um die genauen Farben zu identifizieren. Suche dann die nächstliegende Wada-Palette. Das ist dein Ausgangspunkt für die Kunstauswahl.

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Wada und die Kunst des negativen Raums
Es gibt eine interessante Verbindung zwischen Wadas Farbphilosophie und dem japanischen Konzept von ma (間), der Kunst des Zwischenraums. Wadas Paletten atmen. Sie sind nie voll, nie überladen. Es gibt immer Raum für Stille – einen neutralen Ton, der die anderen Farben sprechen lässt.
Im Interieur funktioniert das genauso. Ein Werk mit einer Wada-Palette braucht keine unruhige Umgebung. Es funktioniert am besten mit Raum drumherum: eine leere Wand, ein einzelnes Objekt, Ruhe. Darüber habe ich ausführlich in meinem Artikel über Ma (間): die Kunst des negativen Raums im Interieur geschrieben.
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Neugierig, wie ich dieses Buch selbst in meiner Arbeit nutze? In Vom Buch auf die Leinwand: wie ich A Dictionary of Color Combinations in meiner Arbeit nutze gehe ich tiefer darauf ein, welche Paletten ich wähle, wie ich sie in Farbe auf Leinwand übersetze und was sich verändert, wenn man ein Farbbuch aus dem Jahr 1933 ins Atelier mitnimmt.
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Häufig gestellte Fragen
Wo kann ich A Dictionary of Color Combinations kaufen?
Das Buch ist über große Online-Buchhandlungen (Amazon, Bol.com) und spezialisierte Design- und Kunstbuchhandlungen erhältlich. Suche nach der Ausgabe von Seigensha Art Publishing (2010) – das ist der zugänglichste Nachdruck.
Gibt es das Buch auch digital?
Es gibt keine offiziellen digitalen Versionen, aber es gibt Online-Datenbanken und Tools (wie coolors.co oder spezifische Wada-Farbpalettensammlungen auf Pinterest), die auf dem Buch basieren.
Muss ich Farbtheorie kennen, um das Buch zu nutzen?
Nein. Das ist gerade die Stärke des Buches. Du musst keine Theorie kennen. Du wählst eine Palette, die dich anspricht, und wendest sie an. Die Theorie steckt bereits in der Auswahl.
Wie unterscheidet sich Wada von anderen Farbtheorien?
Wada gibt keine Regeln – er gibt Beispiele. Während Itten und Munsell mit Systemen und Formeln arbeiten, arbeitet Wada mit Intuition und Beobachtung. Beide Ansätze sind wertvoll, aber Wada ist zugänglicher für den praktischen Einsatz.
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Über KOJO Art
KOJO Art ist der Markenname, unter dem ich, Jordy Koumans, male und verkaufe. Mit einem Auge für Farbharmonie, gedämpfte Paletten und zeitlose Ästhetik – für Menschen, die Kunst wollen, die wirklich zu ihrem Raum passt. Weltweit versandt.