Yūgen (幽玄) – die Geschichte hinter dem Triptychon
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Es gibt Werke, die man erschafft, weil man eine Idee hat. Und es gibt Werke, die man erschafft, weil man etwas loswerden muss. Yūgen (幽玄) gehört zur zweiten Kategorie.
Yūgen ist ein japanischer Begriff ohne direkte Übersetzung. Er beschreibt das tiefe, mysteriöse Gefühl, das entsteht, wenn man die Schönheit des Universums erlebt – nicht als klare Einsicht, sondern als Flüstern. Eine Präsenz, die man fühlt, aber nicht benennen kann. Genau dieses Gefühl wollte ich in diesem Triptychon einfangen.
Der Entstehungsprozess: Schicht für Schicht
Die drei Paneele sind jeweils 40 × 20,2 cm groß und auf Holz gemalt. Zusammen bilden sie ein Gesamtformat von 40 × 60,6 cm. Doch die Maße erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Was man nicht sieht, ist die Zeit. Yūgen ist in vielen Schichten Acrylfarbe aufgebaut. Karminrot, Preußischblau, gebrannte Siena, Grün und Zinkweiß – Schicht für Schicht aufgetragen, trocknen gelassen, erneut bearbeitet. Nicht alle Farben sind im Endergebnis direkt sichtbar. Aber sie sind da.
Diese Arbeitsweise erinnert mich an Urushi – die traditionelle japanische Lackkunst, bei der Dutzende von Lackschichten aufgetragen werden, um Tiefe und Glanz zu erzielen. Jede Schicht ist unsichtbar, aber unverzichtbar. So funktioniert auch Yūgen. Die karminrote Unterschicht trägt die bordeauxrote Oberfläche. Das Preußischblau verleiht dem Marineblau seine Kühle. Es sind Farben, die man nicht sieht, aber fühlt.
"Karminrot, Preußischblau, gebrannte Siena, Grün und Zinkweiß – nicht alle Farben sind sichtbar, aber sie leben im Werk."

Die Inspiration: Ukiyo-e und die flache Farbe
Die visuelle Sprache von Yūgen ist von der japanischen Druckgrafik Ukiyo-e inspiriert. Nicht die figurativen Darstellungen von Wellen oder Berglandschaften, sondern die zugrundeliegenden Prinzipien: flächige Farbfelder, scharfe Kanten und die Ruhe, die durch das spricht, was nicht da ist.
In Ukiyo-e ist die Leere kein Mangel. Es ist eine Wahl. Ein bordeauxroter Rand, der ein Farbfeld in Marineblau, Mauve und gedämpften Rosatönen umschließt – das ist keine Komposition, die schreit. Es ist eine Komposition, die wartet.
Ein früher Meister dieses Prinzips war Hasegawa Tōhaku (1539–1610), dessen Tuschemalereien von Kiefernwäldern im Nebel reine Farbfelder avant la lettre sind. Keine Details, keine Geschichte – nur Präsenz. Das ist es, wonach ich strebe.
Notan (濃淡) – das japanische Prinzip des Hell-Dunkel-Gleichgewichts als Kompositionselement – ist der stille Motor hinter Yūgen. Die Spannung zwischen dem dunklen bordeauxroten Rand und dem helleren Farbfeld ist kein Zufall. Es ist die Komposition.
Verwandtschaft mit dem Westen: Rothko, Reinhardt, Newman
Yūgen steht nicht allein in der Kunstgeschichte. Es gibt westliche Künstler, die dieselbe Sprache sprechen, aus einer anderen Tradition.
Mark Rothko malte Farbfelder, die Menschen zum Weinen brachten. Nicht weil sie traurig waren, sondern weil das Werk etwas berührte, das sie nicht benennen konnten. Das ist Yūgen im westlichen abstrakten Expressionismus.
Ad Reinhardt schuf fast schwarze Gemälde mit verborgener Struktur – Werke, die man erst sieht, wenn man lange genug hinschaut. Die Tiefe offenbart sich nicht sofort. Diese Geduld fordert auch Yūgen.
Barnett Newman führte den vertikalen „Zip“ ein – eine Linie, die ein Farbfeld durchschneidet und damit Spannung erzeugt. In Yūgen ist der bordeauxrote Rand diese umschließende Linie. Keine Trennung, sondern eine Definition.
Und dann ist da noch Mono-ha (物派), die japanische Kunstbewegung der 1960er Jahre, die Material und Raum sprechen ließ, ohne zu viel zu sagen. Keine Erklärung, keine Geschichte – nur das Material selbst, im Raum. Yūgen hat diese Zurückhaltung.
Drei japanische Begriffe, die dieses Werk definieren
Shibui (渋い) – zurückhaltende Schönheit
Shibui beschreibt Schönheit, die nicht aufdringlich ist. Die nicht schreit, sondern anzieht. Yūgen ist Shibui. Das Werk verlangt nichts von dir – aber wenn du davorstehst, gibt es viel.
Ma (間) – die Bedeutung des Zwischenraums
Ma ist das japanische Konzept des Negativraums – die Leere, die Bedeutung trägt. Der Raum zwischen den drei Paneelen ist keine Leere. Er ist Teil der Komposition. Ohne diesen Zwischenraum ist das Triptychon unvollständig.
Kokū (虚空) – Leere als Raum für Bedeutung
Kokū ist die Leere, die nicht leer ist. Das Farbfeld in Yūgen atmet. Es ist keine ausgefüllte Fläche – es ist ein Raum, in dem etwas geschehen kann. Was das ist, bestimmst du.
"Shibui, Ma, Kokū – drei Begriffe, ein Werk. Yūgen spricht die Sprache der japanischen Ästhetik, gemalt in Acrylfarbe auf Holz in Tilburg."
Das Gefühl des Werks
Jemand fragte mich kürzlich, woran Yūgen mich erinnert. Ich musste kurz nachdenken.
Ein Zimmer kurz vor Sonnenaufgang. Die Stille nach einem Gespräch, das etwas verändert hat. Das Gefühl, das man bekommt, wenn man ein Buch zuklappt und einen Moment lang nicht weiß, wo man ist.
Letzteres ist vielleicht am präzisesten. Es gibt Bücher, die einen an einen Ort entführen, den man nicht auf einer Karte zeigen kann, den man aber erkennt, wenn man dort ist. Yūgen versucht, das für die Wand zu sein, an der es hängt.
Wabi-Sabi – die japanische Schönheit des Unvollkommenen und Vergänglichen – steckt auch in diesem Werk. Die Farbstruktur ist nicht glatt. Die Schichten sind sichtbar, wenn man näher kommt. Das ist kein Mangel. Das ist der Beweis, dass das Werk von Händen geschaffen wurde.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich die Paneele auch einzeln kaufen?
Nein, Yūgen wird ausschließlich als Triptychon verkauft. Die drei Werke sind als Ganzes komponiert und untrennbar miteinander verbunden.
Wie hänge ich das Triptychon auf?
Die Paneele werden mit gleichem Abstand nebeneinander aufgehängt. Ein Abstand von 3 bis 5 cm zwischen den Paneelen funktioniert am besten. Ich liefere bei Kauf eine Aufhängeanleitung mit.
Ist das Werk signiert?
Ja, jedes Paneel ist von mir signiert. Das Triptychon wird mit einem Echtheitszertifikat geliefert.
Wird es weltweit versandt?
Ja, ich versende weltweit. Die Paneele werden sorgfältig verpackt und versichert verschickt.
Yūgen ist als originales Triptychon erhältlich.

Über KOJO Art
KOJO Art ist der Markenname, unter dem ich, Jordy Koumans, male und verkaufe. Meine Arbeit bewegt sich zwischen Farbfeld, Abstraktion und japanischer Ästhetik. Jedes Werk ist einzigartig und handgemalt in meinem Atelier in Tilburg.